| Hinweise zur
post mortem
Muskel- und Nervbiopsie
Tim Bley, Dr. med. vet. Einleitung Eine distale symmetrische Polyneuropathie (PN), die verwandte
Leonberger im Alter zwischen einem bis neun Jahren betreffen kann, ist
erstmals im Jahr 2003 in den USA beschrieben worden (Shelton et. al.) und
zeigt unterschiedliche Ausprägung. Der Schlüssel zur Diagnose erkrankter
Tiere mit typischen Gangstörungen (hypermetrisches Vorfussen der
Hintergliedmassen), Atrophie distaler Gliedmassen-Muskelgruppen,
anstrengungsabhängiger Schwäche und evt. respiratorischem Stridor liegt im
oben beschriebenen Vorgehen Nervus peroneus: Dieser ist leicht von lateral zugänglich (Abbildung 1). Mit dem Finger ist das Fibulaköpfchen erstastbar; fährt der Finger nach kranial Richtung Patella spürt man bald zwischen Köpfchen und lateralem Kondylus des Kniegelenks den derben Strang des prominenten N. peroneus. Nach Durchtrennung von Cutis, Subcutis und Muskel bzw. Muskelfaszie ist der Nerv sichtbar (Abbildung 2). Das zu entnehmende Bioptat sollte – ohne Quetsch- oder Reissartefakte zu erhalten – so grosszügig wie möglich (wenigstens 2 cm Länge) ausfallen. Der Nerv wird in ein Gefäss verbracht, das bis an den Rand mit 10% Formalin gefüllt ist. Ein Etikett mit Angabe der enthaltenen Gewebeart, Patientenidentifizierung (Name / Nummer…) und Datum ist hilfreich. Musculus tibialis cranialis: Dieser Muskel liegt dem kranialen Schienbein auf (Abbildung 1) und ist über den für die Nervenbiopsie beschriebenen – nach kraniodistal erweiterten Zugang – oder einen eigenen Zugang erreichbar. Nach Durchtrennung der Faszie sollten mehrere wenigstens 2x2 cm grosse Muskelpräparate gewonnen werden. Das Exzidieren mit einem Skalpell vermeidet Quetschartefakte, und das Präparat sollte nur am unmittelbaren Rand mit der Pinzette gegriffen werden. Auch hier wir zur Fixation 10% Formalin verwendet – in einem genügend grossen und gekennzeichneten Gefäss. Generell gilt: je schneller die Entnahme der Biopsien desto besser. Falls der Tierkörper schnell gekühlt wird, können Gewebeproben, die bis zu 24 Std. post mortem entnommen werden, noch bedingt diagnostisch sein, später wegen des Autolyseprozess nicht mehr. Gefrorenes Gewebe birgt leider Gefrierartefakte, die die Auswertung limitieren, ist also nicht geeignet.
Abbildung 1.
Abbildung 2: N. peroneus nach Präparation durch Kutis, Subkutis und Muskulatur
Korrespondenzadresse: |